Öffentliche Daten nutzen, private Daten schützen.

heylogin schafft Passwörter ab und ermöglicht seinen Nutzer:innen sich durch einen einfachen Swipe auf dem Smartphone einzuloggen. Dabei gilt stets die Devise à la Hacker Ethik: Öffentliche Daten nutzen, private Daten schützen. Gründer Dr. Dominik Schürmann, welcher seine wissenschaftliche Karriere an der TU Braunschweig absolvierte und ferner zum Thema „Vertrauen in heterogenen Netzwerken“ promovierte, betont: „Es geht eigentlich immer um die Frage: Was sind öffentliche Daten und was sind private Daten? Zwar meinen Einige, dass sie nichts zu verbergen hätten, aber da kann ich nur einen Vergleich von Edward Snowden anführen: Wir haben einerseits das Recht auf Meinungsäußerung und das würde auch niemand in Frage stellen – aber andererseits ist es auch so, dass nicht jede:r etwas Wichtiges zu sagen hat; und genauso ist es mit der Privatsphäre. Nicht jede:r hat etwas zu verbergen, aber es gibt ein paar bei denen es sehr wichtig ist, dass bestimmte Daten nicht öffentlich zugänglich sind. Private Daten sind Informationen einzelner Menschen, die andere einfach nichts angehen.“

Aus seinen moralischen Überzeugungen und jahrelangen Forschungserkenntnissen gründete Schürmann, gemeinsam mit seinem Mitgründer Vincent Breitmoser, 2018 das Startup Confidental Technologies GmbH (COTECH), welches seit 2021, wie das gleichnamige Produkt, als heylogin GmbH auftritt. Während der Unternehmensgründung gingen die leidenschaftlichen Informatiker durch einige Höhen und Tiefen und wurden dabei unter anderem mit der Marktrealität konfrontiert.

Marktanalyse und die richtigen Endkund:innen

Bevor die Gründer mit ihrer heutigen Login-Management-App heylogin an den Markt gingen, starteten sie zunächst mit einem ganz anderen Produkt. Als Ausgründung der Technischen Universität und mit einem EXIST-Gründungsstipendium in der Tasche, begannen die anfänglich noch drei Gründer die sogenannte Hardware Security SDK zu entwickeln. „Das erste Gründungsvorhaben konzentrierte sich auf die Sicherheit, also die Authentifizierung und Verschlüsselung von kritischen Infrastrukturen wie zum Beispiel bei Kernkraftwerken“, erklärt der IT-Experte. Hierbei handelte es sich um ein extrem spezialisiertes Produkt, welches ein Problem in einer speziellen Nische löst. „Und grade deshalb funktionierte dieses Geschäftsmodell nur bis zu einem bestimmten Grad“, führt Schürmann weiter an. Denn das Startup kam schnell zu der Erkenntnis, dass der Markt für ihr Produkt zu klein ist, da sie unter anderem mit Firmen konkurrierten, die anstatt einer Teillösung, wie dem Security SDK, ein Komplettsystem lieferten. Aus diesem ersten ‚Reality Shock‘, bei welchem die wissenschaftlichen und die marktwirtschaftlichen Anforderungen aufeinander prallten, zieht Schürmann heute wichtige Lehren: „Ich glaube das wichtigste ist wirklich die Marktanalyse. Für mich persönlich war es eine enorme Erfahrung zu hinterfragen: Was ist überhaupt die Zielgruppe des Produkts? Ist der Markt groß genug? Und dann sollte man flexibel genug bleiben, das Produkt zu ändern oder Teile des Produkts zu nehmen, anders zu verpacken und damit eine andere Zielgruppe zu erreichen. Eine weitere Möglichkeit ist es das Produkt in andere Lösungen zu integrieren oder in die Partnerschaft mit anderen Unternehmen zu gehen.“

Die passwortfreie Weltherrschaft

Diesen Rat haben die jungen Entrepreneure befolgt und ihr wissenschaftliches Knowhow sowie ihre Erfahrungen genutzt, um ihr heutiges Startup gezielt hochzuziehen und zu skalieren. Nachdem sie durch das Förderprogramm StartUpSecure, welches sich speziell an IT-Security-Startups richtet, zudem einen Zuschuss von 700.000 Euro erzielen konnten, konzentrieren sich die ITler heute insbesondere auf ihr Produkt heylogin, damit die umständliche Passworteingabe zukünftig der Vergangenheit angehört. Die Funktionsweise von heylogin ist an das Smartphone gekoppelt, sodass der Login über einen Swipe bestätigt werden muss. Eine Zwei-Faktor-Authentifizierung und eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Logins, die im Sicherheits-Chip des Smartphones abgelegt sind, garantieren die vollständige Kontrolle seitens der Nutzer:innen. Auf die Frage was sie mit ihrem Startup erreichen möchten, antwortet Schürmann ambitioniert: „Man sollte im besten Fall ein übergeordnetes Ziel festlegen, dass dann vielleicht auch ein bisschen hochgegriffen ist. Ich will jetzt nicht Weltherrschaft sagen, aber sowas in die Richtung. Wir haben halt eindeutig das Ziel Passwörter abzuschaffen, weil Passwörter sind einfach der Pain des 21. Jahrhunderts. Niemand hat Lust darauf es ständig einzutippen oder es zu vergessen.“

heylogin Data Protection

heylogin Data Protection | Grafik: heylogin GmbH

Um ihr Ziel zu erreichen setzt das Startup auf exponentielles Nutzer:innenwachstum, damit ihnen eine Marktdurchdringung gelingt. Ihr User:innen Growth haben die beiden Zahlenliebhaber dabei stets im Auge: „Wir haben tatsächlich bei uns im Büro einen riesengroßen Monitor, auf dem die Statistiken live zu sehen sind. Dadurch, dass man die Zahlen dann den ganzen Tag sieht, wird einem auch immer wieder bewusst, was das eigentliche Ziel ist. Es ist ein bisschen wie in einem Klischee-Film über Startups.“ heylogin möchte mit der Free-Version für Einzelunternehmer:innen und Solo-Selbstständige daher nicht nur die eigenen Nutzer:innenzahlen ankurbeln, sondern diesen einen unkomplizierten Login-Prozess ermöglichen. Die Gruppenversion für kleine und mittlere Unternehmen beginnt währenddessen bei 4,99 Euro pro Nutzer:innen im Monat und verfügt im Gegensatz zur kostenlosen Variante über weitere Features. Großunternehmen könnten auf Anfrage zudem eine Enterprise-Version erhalten. Schürmanns eigenes Fazit als Gründer lautet abschließend: „Weniger programmieren, mehr skalieren“.

heylogin

Gründer:
Dr. Dominik Schürmann (CEO)
Vincent Breitmoser (CTO)

Gründungsjahr:
2018

Branche:
Cyber Security

Weitere Infos:
heylogin – Profilseite

Zur Website:

heylogin Logo
Tamie Gillner

Autorin

Tamie Gillner

Social Media & Wissenschaftskommunikation