Workshop als Startschuss für die Ausarbeitung zukünftiger Maßnahmen

Die Ergebnisse des Startup Monitors 2021 haben eine ziemlich eindeutige Sprache gesprochen – zumindest bei der Betrachtung der wesentlichen Kritikpunkte, die dort von den Gründer:innen angemerkt wurden. Dem Braunschweiger Startup-Ökosystem fehlt es noch an Transparenz, dem notwendigen Überblick und der zielführenden Vernetzung. Das klingt jetzt erstmal nach Faktoren, die immer verbessert werden können und in Abhängigkeit davon stehen, wie stark sich wirklich mit den einzelnen Aspekten seitens der Institutionen und Initiativen befasst wird. Bei konkreten Beispielen, wie der Vernetzung zu den richtigen Ansprechpartner:innen oder der Suche nach Kapital- und Finanzierungsmöglichkeiten, benennen die befragten Gründer:innen deutliche Schwachstellen in der Region.

vom 2. November 2021

Auch wenn ein Großteil der Startups bei der Suche nach den richtigen Anlaufstellen weniger Probleme haben und oftmals auch zielführend vom Netzwerk an die Schlüsselstellen geleitet werden, sollte es das Ziel sein, dass ein jedes Startup die Chance hat mit den für ihnen richtigen Kontakten in Austausch zu kommen. Ein gutes Netzwerk zeichnet sich dadurch aus, dass die Startups alle notwendigen Informationen erhalten, die es für die nächsten Schritte benötigt. Die Gründer:innen aus dem Monitor beurteilten diesen Aspekt für Braunschweig jedoch weniger zufriedenstellend. Der Begriff, der dabei gefallen ist heißt Silo-Wissen. Die Informationen werden nur in bestimmten Bereichen gehortet und nicht allen im Netzwerk zugänglich gemacht. Nur mit etwas Glück kommen die Startups an die richtigen Schlüsselstellen, die ihnen weiterhelfen können. Genau an diesem Punkt sollte aber angesetzt werden, um die Lücken in der Startup Landschaft für alle zu schließen.

Ein Ansatz hierzu haben wir von HI!TECH bereits mit der SUPWAY Map angedacht und sammeln nun stetig die Institutionen und Initiativen sowie deren Tätigkeitsfelder, welche für bestimmte Anfragen in Frage kommen. Die Absicht dahinter ist es, den Startups mehr Transparenz zu bieten. Aber auch die Möglichkeit, vorhandenes Wissen allen zugänglich zu machen, ist zwangsläufig nur ein Initialgedanke.

Supway Map Braunschweig

SUPWAY Map Braunschweig | Foto: iTUBS mbh

Viel wichtiger für das Vorhaben, ein gut vernetztes Startup-Ökosystems aufzubauen, sind die regelmäßigen Zusammenkünfte von den hier herausgestellten Akteur:innen des Ökosystems. Sie verfügen über das Wissen und weitere Kontakte, um einem Startup zu helfen und sollten sich daher regelmäßig updaten und austauschen. Hier sind das Netzwerktreffen des Gründungsnetzwerk und der Startup Stammtisch bereits wertvolle Initiativen. Starke Startup-Ökosysteme zeichnen sich durch eine aktive Unterstützungs-Community aus, die im Idealfall geschlossen und allumfänglich ist. Sprich, es sind alle relevanten Akteur:innen vertreten und wissen voneinander.

Ökosystem-Workshop zu den Themen: Netzwerk, Support, Finanzen und Infrastruktur

Einen ersten Aufschlag in diese Richtung sollte ein Workshop mit den Initiator:innen des Startup Monitors 2021 machen. Hierbei konnten sich Institutionen versammeln, die sich als Startup-Unterstützer:innen und feste Elemente im Ökosystem verstehen. Bei der gemeinsamen Veranstaltung wurden die Ergebnisse des Monitors diskutiert und in Handlungsempfehlungen umgewandelt.

Teilnehmer:innen:

AGV Braunschweig
borek.digital
TRAFO Hub
Braunschweig Zukunft GmbH
IHK Braunschweig
iTUBS

Dabei wurden in einem Workshop-Format folgende Cluster bearbeitet und Ideen zur Verbesserung gesammelt: Netzwerk, Support, Finanzen und Infrastruktur. Hierzu wurden in Dreiergruppen Ideen zur Verbesserung, potentielle Maßnahmen und Schwierigkeiten bzw. Hürden bei der Umsetzung erarbeitet. Der Konsens der Arbeitsphase zeigte jedoch wiederum das Kernproblem des Ökosystems auf: Ein dichtes und breitflächiges Netzwerk fehlt. Entsprechend gilt weiterhin der Ansatz, die Förderung eines aktiven Netzwerks aller Akteur:innen muss das Ziel der Zusammenarbeit sein und werden. Auf dieser Grundlage kann eine gemeinsame Wissensbasis und die gezielte Weitervernetzung entstehen, sodass den Belangen von Startups lösungsorientiert entgegnet werden kann.

Diesem Netzwerk müssen verstärkt neben den beratenden Akteur:innen auch Unternehmen, Hochschulen und Investor:innen angehören.2 An dieser Stelle empfiehlt sich ein kurzer Exkurs zur Forschung. Denn zu diesem Entschluss, wie ein solches Netzwerk aufgebaut werden sollte, kommt auch Andreas Kuckertz von der Uni Hohenheim, welcher als Vergleichswert das Stuttgarter Ökosystem untersucht hat:

Die Komplexität von Startup Ökosystemen ergibt sich aus der Vielzahl und Unterschiedlichkeit ihrer Akteure und ihrer jeweiligen Beziehungen zueinander. Jedes Startup Ökosystem ist daher ein einzigartiges Netzwerk, das zum Erfolg unternehmerischer Aktivität beiträgt.

Andreas Kuckertz, Uni Hohenheim

Hochschulen in der Verantwortung

Kuckertz hebt bei dem Aufbau eines Netzwerks und der Aktivierung des Ökosystems eine Gruppe von Akteuren hervor – die Hochschulen. Das Beispiel des Silicon Valleys zeige, dass es für Universitäten und Fachhochschulen nicht ausreicht, die Gründer:innen einfach nur an das passende Förderprogramm zu verweisen, so die Aussage in dem Research Brief. Vielmehr darf die Verantwortung an der Stelle nicht aufhören, sondern sollte mit einer Vermittlung an Investor:innen der Unterstützungscommunity erst anfangen. Die Analyse der Forscher:innen zeigt, dass im Ökosystem oftmals beratende Akteur:innen im Vordergrund stehen und aktiv sind. Die bedeutende Rolle von Unternehmen und Hochschulen müssen daher ausgearbeitet und bestärkt werden. So stehen die bislang noch weniger aktiven Akteur:innen in der Pflicht sich auch auf die Hochschulen und Forschungseinrichtungen zuzubewegen und hier aktiv den Austausch zu suchen.

Als zentrales Bindeglied zwischen Forschung und Wirtschaft sehen wir uns als iTUBS (HI!TECH) mit dem Thema betraut. Sowohl als Institution eines aktiven Ökosystems versuchen wir neuen Input für eine aktivere Vernetzung zu ermöglichen. Darüber hinaus ist es unser Anspruch die Potentiale in den Hochschulen, insbesondere der TU zu aktivieren eine aktive Vernetzung voranzutreiben.

Zusammenfassend waren sich auch beim Workshop alle Beteiligten einig: Eine stärkere Vernetzung untereinander sowie die Einbindung weiterer Akteur:innen muss erfolgen. Hierzu zählen Investor:innen, die Universität, wie auch Gründer:innen selbst, die bisweilen nur durch die Ergebnisse des Monitors zu Wort gekommen sind und zukünftig bei der Weiterentwicklung und Verbesserung der Rahmenbedingungen einbezogen werden sollen. Der nächste Workshop, bei welchem das Ökosystem zusammenkommt und über die Rahmenbedingungen für Startups diskutiert, ist bereits in Planung.

Falls Du du deinen Input geben möchtest, dann sende uns gerne eine Nachricht oder lass einen Kommentar da.

Jan Wrobel

Autor

Jan Wrobel

Business Development